Großstadt-Horror

11245533_10205810999408261_8684280114296789238_nEigentlich sollte es ja als höchst löblich gelten, wenn man in seiner Freizeit gewisse Strecken zu Fuß und nicht mit einem fahrbaren Untersatz absolviert. Zum Beispiel, wenn man sich eines Samstagmittags auf den Weg ins Fußball-Stadion macht. Gut gut, der Spaziergang diente nicht in erster Linie der körperlichen Ertüchtigung – eigentlich streikten die Mitarbeiter der Bahn mal wieder. Also einfach mal das Beste aus der misslichen Situation machen und das Gute sehen. So blieb wenigstens genügend Zeit, sich auf ein bestimmtes, alkoholisches Level hochzuarbeiten, um sich dem typischen Fußballfan-Klischee anzupassen. Also: Kaltes Bierchen in der einen, Glimmstängel in der anderen Hand und an der Seite dreier tapferer Mitstreiter durch das wohl eintönigste Gebiet Berlins – auch Biesdorf Süd genannt – gestapft. Weiterlesen

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Theatralischer Abgang – Definiere „theatralisch“!

full (1)Es ist doch jedes Mal dasselbe. Aufmerksam verfolge ich einen Film oder eine Serie, als plötzlich Mann Frau enttäuscht und Frau daraufhin zügiger Schritte (und natürlich heulend) von Dannen rennt.

Frau / Mädchen war Objekt zwischenmännlicher Wette. Frau / Mädchen wurde belogen, oder mit einer anderen Frau hintergangen. Sobald Frau / Mädchen mit diesen Tatsachen konfrontiert wird, beginnt sie zu schluchzen, wirft dramatisch heulend (wie ein Wolf in etwa) den Kopf in den Nacken, um anschließend wehender Haare theatralisch davonzulaufen.

Irgendwie ja unlogisch.

Würde MIR ein Kerl zum Beispiel erklären, er habe mit seinem dämlichen Kumpel darum gewettet, mich ins Bett zu kriegen und er habe dies, aufgrund eines schwachen Moments meinerseits, tatsächlich in die Tat umgesetzt – also mir würden da andere Sachen einfallen, als wehendes Haares und weinender Augen das Weite zu suchen. Weiterlesen

Notiz an mich selbst. #3 – Alternativ-Verhältnisse

Wie ein wütendes Pony schnaubte ich aus und nippte an meinem Bier. Eigentlich hatte ich schon völlig vergessen, warum ich mich mit meiner Mitbewohnerin so schlimm in die Haare bekommen hatte. Aber eines wusste ich: Ich war wirklich stinkig und trank gerade schon das vierte Trotz-Bier und inhalierte, noch wütender, die vierzehnteste Zigarette nach dem Eklat.

Aber irgendwie bemerkte ich schnell, dass meine bodenlose Empörung mit blanker Ignoranz  abgestraft wurde. Ich kramte also im Repertoire meiner Handlungsalternativen und wurde bald, wenn auch nicht vollends überzeugt, fündig. So stapfte ich in Richtung Garderobe, um meine Jacke abzuholen und infolgedessen einen stilvollen polnischen Abgang hinzulegen. Weiterlesen

Und wer den Schaden hat…

Selbstmitleid ist erst dann angebracht, wenn man sich das Mitgefühl anderer ehrlich und aufrichtig verdient hat. Allerdings… wenn andere einen bemitleiden, braucht man auch kein Selbstmitleid mehr. Dann ist es nämlich schon soweit, dass man über sein eigenes Pech lachen muss.
Pech ist ja meiner Meinung nach auch nicht so schlimm wie Unglück. Unglück ist auch nach einem Jahr noch scheiße. Über Pech kann man in der Regel nach einer knapp bemessenen Zeit schon schmunzeln.
Meine rekordverdächtige Pechsträhne begann an einem Mittwoch, an dem ich dachte, ich könnte pflichtbewusst sein und trotz völlig mangelnder Motivation zu meinem Studi-Job gehen. War ja klar, dass dies Vorhaben bestraft werden musste – wir sind schließlich in Deutschland. Zugegeben, ich war ein wenig abgelenkt, während ich begleitet von den Sonnenstrahlen des Spätnachmittags durch den Prenzlauer Berg in Richtung Arbeit schlich, aber ich konnte an sich schon immer blind laufen. Als Hobby-Alkoholiker mit jahrelanger Erfahrung konnte ich mich zumindest auf diese Fähigkeit des alltäglichen Lebens verlassen: Laufen konnte ich wirklich immer. Bei meinen anderen Talenten sah es da schon um einiges düsterer aus. Sprechen, Denken und SMS schreiben gehörten definitiv nicht dazu. Aber Laufen. Ich konnte beim Laufen essen, trinken, lesen und sogar zeitweise ohnmächtig sein. Voll mein Ding. Aber an diesem einen, Gott verdammten Mittwoch-Nachmittag, reichte nach kurzem Verkehr-abschätzenden Blick auch nüchtern nur ein einziger Schritt. Und Zack hieß es: „Willkommen im Elend!“ Weiterlesen

#3 – Reinkarnation des Bösen

Ich liege auf meinem Bett und bin missmutig. Ich werde endlich mal das tun, was ich mir schon so lange vorgenommen hatte. Ich werde in einen Club gehen! Olé! Doch die Motivation hält sich derzeit in Grenzen. Ich schaue an meinem halbbekleideten, immerhin frisch geduschten Körper hinunter, schlage mit der flachen Hand auf meinen Bauch und zähle die Sekunden, bis der Speck aufhört, Wellen zu schlagen. Viele Sekunden. Zu viele Sekunden. Also ein Sweatshirt und kein anzügliches, rückenfreies Top. Wie gerne hätte ich die Disziplin, eine Diät länger als zwei Tage durchzustehen… oder die realistische Auffassungsgabe, dass Butter und Sahne eher weniger in ein ausgeklügeltes Ernährungskonzept zur Gewichtsabnahme passen. Weiterlesen