Die Ruhe vor dem Sturm

Manchmal steht man morgens auf – und dann passiert sowas. Es kann vorkommen, dass man aufsteht und plötzlich alles anders ist. Mir ist das passiert. Seit ich denken konnte, war mein Leben ein Schlachtfeld. Oder ein Kreuzzug. Zumindest kann ich mich an nur wenige Tage meines Lebens erinnern, an denen ich nicht kämpfen musste. Kämpfen war ohne Frage fester Bestandteil meines Lebens. Und Feinde und Gegner gab es freilich mehr als genug. Irgendwas oder irgendwer war ja immer bestrebt, es einem so schwer wie nur irgendwie möglich zu machen. Gesundheit, Geld, Arbeit, Zeit, Menschen – irgendwer hatte es immer auf einen abgesehen. Weiterlesen

Großstadt-Horror

11245533_10205810999408261_8684280114296789238_nEigentlich sollte es ja als höchst löblich gelten, wenn man in seiner Freizeit gewisse Strecken zu Fuß und nicht mit einem fahrbaren Untersatz absolviert. Zum Beispiel, wenn man sich eines Samstagmittags auf den Weg ins Fußball-Stadion macht. Gut gut, der Spaziergang diente nicht in erster Linie der körperlichen Ertüchtigung – eigentlich streikten die Mitarbeiter der Bahn mal wieder. Also einfach mal das Beste aus der misslichen Situation machen und das Gute sehen. So blieb wenigstens genügend Zeit, sich auf ein bestimmtes, alkoholisches Level hochzuarbeiten, um sich dem typischen Fußballfan-Klischee anzupassen. Also: Kaltes Bierchen in der einen, Glimmstängel in der anderen Hand und an der Seite dreier tapferer Mitstreiter durch das wohl eintönigste Gebiet Berlins – auch Biesdorf Süd genannt – gestapft. Weiterlesen

Back in Business

20150528_153637-01Ja ja, es tut mir leid. Die drei bis vier Menschen, die sich regelmäßig auf diesen Blog verirren, um den großen Blödsinn meiner kleinen Welt zu verfolgen, mussten lange auf ein Lebenszeichen von mir warten. Gut 18, beinahe 19. Monate lang ist es mir nicht gelungen, euch mit neuen geistigen Ergüssen zu bespielen. Damit einher natürlich auch die mangelnde Befriedigung anhand der Tatsache, dass da tatsächlich jemand noch ungeschickter und dämlicher durch die Welt schreitet, als die meisten anderen Menschen.

Gerne würde ich euch berichten, ich habe in der Zwischenzeit Heroisches geleistet. Ein Einhorn mit gebrochenen Flügeln zu reanimieren etwa. Einen Bier-Weit-Spuck-Wettbewerb zu gewinnen. Sich selbst stopfende Socken zu erfinden. Irgendwie so was.

Aber weit gefehlt. Dazwischen gekommen ist einfach das Leben, zahllose gerauchte Zigaretten und viele getrunkene Erfrischungsbrausen. Ausgeprägte Abneigung gegen tausende Dinge. Und nicht akzeptiertes Erwachsenwerden mit all seinen Verpflichtungen und körperlichen Gebrechen, die mich selbst in verhältnismäßig jungen Jahren knallhart auf einen personifizierten Totalschaden zusteuern lassen.

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Theatralischer Abgang – Definiere „theatralisch“!

full (1)Es ist doch jedes Mal dasselbe. Aufmerksam verfolge ich einen Film oder eine Serie, als plötzlich Mann Frau enttäuscht und Frau daraufhin zügiger Schritte (und natürlich heulend) von Dannen rennt.

Frau / Mädchen war Objekt zwischenmännlicher Wette. Frau / Mädchen wurde belogen, oder mit einer anderen Frau hintergangen. Sobald Frau / Mädchen mit diesen Tatsachen konfrontiert wird, beginnt sie zu schluchzen, wirft dramatisch heulend (wie ein Wolf in etwa) den Kopf in den Nacken, um anschließend wehender Haare theatralisch davonzulaufen.

Irgendwie ja unlogisch.

Würde MIR ein Kerl zum Beispiel erklären, er habe mit seinem dämlichen Kumpel darum gewettet, mich ins Bett zu kriegen und er habe dies, aufgrund eines schwachen Moments meinerseits, tatsächlich in die Tat umgesetzt – also mir würden da andere Sachen einfallen, als wehendes Haares und weinender Augen das Weite zu suchen. Weiterlesen

Oscar 2012: Gewinner des Jahres im ausführlichen Bericht

00:59 Uhr
In fünf Minuten fängt die olle Annemarie von Pro Sieben an, die schönsten und hässlichsten Fummel der Oscar-Verleihung bzw. des roten Teppichs aufzuzeigen. Sie wird wohl versuchen, sich überall mit ihrem Mikro in die erste Reihe zu drängeln und irgendwelchen Stars irgendwelche Fragen zu stellen, die letztlich belächelt, wenn nicht gar ignoriert werden.
Zu diesem freudigen Anlass dachte ich mir also, ich könnt mich ja auch mal schick machen und mein Ballkleid aus Schulzeiten anziehen. Passt besonders gut zu den weißen Tennissocken und der Putz-Frisur. Mein Stil-Empfinden war schon immer von höchster Sorte.
Oha! Es geht los! Naja. Socken hat die Annemarie nicht an. Aber ihre Frisur sieht nicht wesentlich besser aus, als meine. Ich sehe gerade, die Annemarie wird den Stars keine doofen Fragen stellen. Steven Gätjen macht das, wie auch in den Jahren zuvor. Was wohl das geringere Übel ist…? Weiterlesen

Oscar 2012: Nominierungen und einleitende Gedanken vor dem Event

Heute werden in Los Angeles zum 84. Mal die Oscars verliehen. Wie in jedem Jahr gibt es Favoriten, doch alles in allem scheint es in diesem Jahr ziemlich öde zu werden. Nicht einmal, weil es einen einzelnen, alles andere in den Schatten stellenden Super-Film gäbe, der sowieso nahezu alle Preise gewinnen wird und demzufolge stets die selben Menschen auf der Bühne rumturnen werden. Nein. Es wird lahm, weil die Filme irgendwie alle langweilig erscheinen.
Einst waren große Gefühle, atemberaubende Emotionen, blaue Menschen oder sinkende Schiffe die großen Abräumer der Academy Awards. Heutzutage verzichtet man auf Konversation und versucht sich in Pantomime, oder man verfilmt irgendwelche Kinderbücher. Wir sind ja alle sooo independent und hipp. Wir machen was super-duper Ausgefallenes. Ja. Vielleicht passt man sich auch nur dem Durchschnitts-Niveau der breiten Zuschauermasse an. Keine Ahnung, in welche Richtung. Aber wo, meine lieben Leser, ist der wahre Oscar-Schick hin? Wo sind die großen, spannenden Filme hin, bei denen man nicht nach einer halben Stunde wahlweise einschläft, die spektakuläre Flucht aus dem Kino plant, oder von suizidalen Gedanken übermannt wird? Weiterlesen

Es gibt einen Gott.

Nach eingängiger Betrachtung habe ich festgestellt, dass die Christen mit ihrem Glauben vermutlich doch Recht haben. So wie es ausschaut, gibt es tatsächlich einen Gott. Bisher hatte ich vehement seine Existenz bestritten. Erschien mir prinzipiell auch logischer.

Ich meine, wie soll man sich das denn auch vorstellen? Soll da wirklich ein bärtiger, steinalter Typ auf einer Wolke sitzen, gelangweilt in der Nase bohren und die Macht haben, knapp sieben Milliarden Menschen rund um die Uhr zu beglücken, oder gar zu manipulieren?

Schwer vorstellbar.

Zumal es sich angeblich um einen Vertreter der Gattung Mann handelt und wie es um deren Multitasking-Fähigkeit beschaffen ist, wissen wir alle.
Aber nach ausführlichen Überlegungen erschien es mir dann gar nicht mehr abwägig.

Im Gegenteil, es war, als hätte ich ein erleuchtendes Erlebnis gehabt, denn plötzlich war ich mir absolut sicher, dass Gott tatsächlich existiert.
Gott macht kein Multitasking, Gott handelt einfach jeden Menschen einzeln ab, schön der Reihe nach. Wenn er sich für jeden einzelnen Menschen etwa zehn Minuten Zeit nimmt, kann man sich schnell ausrechnen, wie lange er bei knapp sieben Milliarden Menschen auf der Welt einplanen müsste.

Zuzüglich des zeitlichen Umfangs von Mittagspausen und Feierabend-Bier.

Und schnell ist es auch nicht weiter verwunderlich, weshalb Gott offensichtlich keine Zeit hat, bei jedem Menschen unter der Sonne mal vorbei geschaut zu haben. Viele Menschen warten ihr ganzes Leben lang auf seinen Besuch, sind aber durch poplige, durchschnittliche 80 Jahre Lebensdauer massiv gehandycapt.

So sterben viele Menschen, während sie auf seine Erscheinung warten, ohne ihn auch nur einmal zu Gesicht bekommen zu haben. Und jene wenigen, die dann doch das Glück hatten, diese kostbaren zehn Minuten seiner Zeit in Anspruch nehmen zu dürfen, sind auch eher desillusioniert, als zufrieden. Kein Wunder.

Eine Frau denkt zumindest nicht, dass man in zehn Minuten irgendetwas (egal was!) zur vollsten Zufriedenheit ausführen könnte. Gemeiner Trugschluss. Weiterlesen