#3 – Reinkarnation des Bösen

Ich liege auf meinem Bett und bin missmutig. Ich werde endlich mal das tun, was ich mir schon so lange vorgenommen hatte. Ich werde in einen Club gehen! Olé! Doch die Motivation hält sich derzeit in Grenzen. Ich schaue an meinem halbbekleideten, immerhin frisch geduschten Körper hinunter, schlage mit der flachen Hand auf meinen Bauch und zähle die Sekunden, bis der Speck aufhört, Wellen zu schlagen. Viele Sekunden. Zu viele Sekunden. Also ein Sweatshirt und kein anzügliches, rückenfreies Top. Wie gerne hätte ich die Disziplin, eine Diät länger als zwei Tage durchzustehen… oder die realistische Auffassungsgabe, dass Butter und Sahne eher weniger in ein ausgeklügeltes Ernährungskonzept zur Gewichtsabnahme passen. Weiterlesen
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#2 – Der königliche, blutsaugende Arzt

Vor der Trennung wusste ich eines ganz genau: Boa, ich hab so Bock auf das Single-Dasein! Keine Verantwortung, unendliche Freiheit zu tun, was ich tun möchte. Die Welt lag mir und meinen bescheidenen studentischen Einkünften zu Füßen. Ich musste nur hinaus in die Welt und irgendwo würde ich mein Glück finden. Das Glück sitzt betrunken in einer Ecke und wartet sehnlichst auf mich!
In der Realität sieht es leider etwas anders aus. Nüchtern. Natürlich im übertragenen Sinn, denn nüchtern war ein Zustand, den ich in den ersten Wochen als alleinstehende, karriereorientierte, wenn auch derzeit motivationslose Frau nur selten erreichte. Auch ist mir der Tausch Jogginghose gegen sexy Outfit bisweilen nicht gelungen. Keine Sorge. Es ist keineswegs so, dass ich keine Beschäftigung hatte. Ich floh in alle nur erdenklichen Parallelwelten. Ablenkung, irreales Leben. Weiterlesen

#1 – Ein Sinnbild

So sitze ich nun also da. 27 Jahre alt, Jogginghose am Leib, Bier in der einen, Zigarette in der anderen Hand und starre den Bildschirm des Computers und ziehe in Erwägung, hysterisch loszuheulen. Macht man doch, wenn man sich gerade getrennt hat, oder? Ich quetsche ein paar Tränchen aus den Augen. Genug, um meinen herzallerliebsten Mitbewohner für einen Moment zu irritieren. Er hatte genug in den letzten Monaten miterlebt, um zu kombinieren, wie es nun um den Status Quo bestellt ist. Allerdings ist er auch Mann genug, um keinen Plan zu haben, wie er damit umgehen soll, also macht er sicherheitshalber gar nichts, außer mitfühlend mit dem Kopf zu nicken und ein weiteres kaltes Bier aus dem Kühlschrank zu fischen, um es geöffnet vor meine Nase zu stellen.
Keinen Plan haben… das trifft auch besonders deutlich auf mich zu. Es ist nicht all zu lange her, da hatte ich einen ganz deutlichen Plan vom Leben. Ich würde fertig studieren, ein oder zwei Jahre arbeiten und mich dann an die Familienplanung werfen. Pille absetzen und vielleicht zwei bis drei Jahre üben, ehe ich schwanger werden würde. Ich wollte mein erstes und hoffentlich auch einziges Kind mit spätestens 35 Jahren begrüßen. Und während dem Mutterschutz promovieren. Ich wollte kitschig heiraten, am Besten in einer Burg, Reis werfen und weiße Tauben, ich wollte aus der Mitte der Stadt in einen schönen Randbezirk ziehen und ein Häuschen kaufen. Präferiert direkt am Wannsee. Ein bis zwei Urlaube im Jahr, ein Auto und Haustiere.
Friede, Freude, Eierkuchen. Weiterlesen