Die Ruhe vor dem Sturm

Manchmal steht man morgens auf – und dann passiert sowas. Es kann vorkommen, dass man aufsteht und plötzlich alles anders ist. Mir ist das passiert. Seit ich denken konnte, war mein Leben ein Schlachtfeld. Oder ein Kreuzzug. Zumindest kann ich mich an nur wenige Tage meines Lebens erinnern, an denen ich nicht kämpfen musste. Kämpfen war ohne Frage fester Bestandteil meines Lebens. Und Feinde und Gegner gab es freilich mehr als genug. Irgendwas oder irgendwer war ja immer bestrebt, es einem so schwer wie nur irgendwie möglich zu machen. Gesundheit, Geld, Arbeit, Zeit, Menschen – irgendwer hatte es immer auf einen abgesehen. Weiterlesen

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Großstadt-Horror

11245533_10205810999408261_8684280114296789238_nEigentlich sollte es ja als höchst löblich gelten, wenn man in seiner Freizeit gewisse Strecken zu Fuß und nicht mit einem fahrbaren Untersatz absolviert. Zum Beispiel, wenn man sich eines Samstagmittags auf den Weg ins Fußball-Stadion macht. Gut gut, der Spaziergang diente nicht in erster Linie der körperlichen Ertüchtigung – eigentlich streikten die Mitarbeiter der Bahn mal wieder. Also einfach mal das Beste aus der misslichen Situation machen und das Gute sehen. So blieb wenigstens genügend Zeit, sich auf ein bestimmtes, alkoholisches Level hochzuarbeiten, um sich dem typischen Fußballfan-Klischee anzupassen. Also: Kaltes Bierchen in der einen, Glimmstängel in der anderen Hand und an der Seite dreier tapferer Mitstreiter durch das wohl eintönigste Gebiet Berlins – auch Biesdorf Süd genannt – gestapft. Weiterlesen

Notiz an mich selbst. #6 – Spannungs-Verhältnisse

fullIch mag ja Open-Air-Festivals. Also nicht mit so softer Musik, darf ruhig ordentlich ballern. Metal und so. Mag ich ja total. Und auf solchen Festivals kann ich dann satte vier Tage sein, wie ich mich am liebsten mag. Große, schlabbrige, schwarze Hoodies am Leib, unter denen mühelos vier Monate gescheiterte Diät ihren Platz finden. Auf dem Hoodie am besten das krakelige Logo von einer schlimm gemeinen Schrei-Band. Frisurtechnisch muss ich mir auch keinen Stress machen. Alles notdürftig mit einem Haargummi bändigen. Wenn ich einen guten Tag hab, zücke ich vielleicht eine Haarklammer.

Schminken muss ich mich auch nur zu Beginn der Veranstaltung. Mit ein wenig Vorsicht, Verzicht auf Abschminktücher und einer ausgefeilten Liege-Technik beim Schlafen hält die Gesichtstapete locker von Donnerstag bis Montag. Beim Duschen (ja, das tue ich tatsächlich auf Festivals!) muss ich auch ein wenig aufpassen. Aber hierbei kommt mir jahrelange Erfahrung zur Hilfe. Nach der einen oder anderen Augen-meets-Shampoo-Odyssee in meinem Leben bin ich recht geübt darin, möglichst wenig Wasser in mein Gesicht zu lassen, wenn ich das nicht will. Genug zu den optischen Details. Neben dem gepflegt-ranzigen Dasein auf solchen Events kommt auch noch eine gewisse Form von angenehmen, beschwingten Lifestyle hinzu. Den ganzen Tag nutzlos auf einem recht bequemen Stuhl unter einem Pavillon sitzen, völlig legitimer Weise bereits morgens um zehn das erste Bierchen köpfen, eine nach der anderen rauchen und ab Mittag super Musik und super Bands genießen. Zwischendurch noch mehr rauchen und noch mehr trinken. Bestenfalls super Menschen dabei haben. Was kann also schöner sein? Weiterlesen

Back in Business

20150528_153637-01Ja ja, es tut mir leid. Die drei bis vier Menschen, die sich regelmäßig auf diesen Blog verirren, um den großen Blödsinn meiner kleinen Welt zu verfolgen, mussten lange auf ein Lebenszeichen von mir warten. Gut 18, beinahe 19. Monate lang ist es mir nicht gelungen, euch mit neuen geistigen Ergüssen zu bespielen. Damit einher natürlich auch die mangelnde Befriedigung anhand der Tatsache, dass da tatsächlich jemand noch ungeschickter und dämlicher durch die Welt schreitet, als die meisten anderen Menschen.

Gerne würde ich euch berichten, ich habe in der Zwischenzeit Heroisches geleistet. Ein Einhorn mit gebrochenen Flügeln zu reanimieren etwa. Einen Bier-Weit-Spuck-Wettbewerb zu gewinnen. Sich selbst stopfende Socken zu erfinden. Irgendwie so was.

Aber weit gefehlt. Dazwischen gekommen ist einfach das Leben, zahllose gerauchte Zigaretten und viele getrunkene Erfrischungsbrausen. Ausgeprägte Abneigung gegen tausende Dinge. Und nicht akzeptiertes Erwachsenwerden mit all seinen Verpflichtungen und körperlichen Gebrechen, die mich selbst in verhältnismäßig jungen Jahren knallhart auf einen personifizierten Totalschaden zusteuern lassen.

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Notiz an mich selbst. #5 – Abseits-Verhältnisse

Es hätte ja eigentlich auch ein schöner Tag werden können. Abgesehen von der Tatsache, dass ich statt des köstlichen hessischen Apfelweins lieber der abgestandenen Fanta fröhnte. Musste aber sein. Ich war ja als Fahrer des Abends auserkoren worden – Held und Herr über Schaltknüppel, Kupplung und Lenkrad.

Ein jeder, der vom Dorfe stammt, wird nun verständnisvoll nicken, weil ein solcher Zustand für Kinder der Landluft kein ungewöhnlicher Umstand ist. Zumal es um die öffentlichen Bewegungsmittel im Umkreis nur bescheiden bestellt war. Würde man aber zusätzlich wissen, dass ich mit meiner spritleeren Karre nur einen knappen halben Kilometer gefahren bin, würde keiner so recht verstehen, weshalb ich den Luxus des schlichten Betrinkens gegen die Faulheit eingetauscht habe.

Es war auch weniger die Faulheit, als ein anderer Luxus, den ich mir und meiner Besten verschaffen wollte. Und zwar der der lauten Mukke. Es waren Ferien, es war unter der Woche und wir strebten nach einem entspannten Abend auf dem Parkplatz unseres örtlichen Badesees.

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Notiz an mich selbst. #4 – Bewegungs-Verhältnisse

20150319_173129_HDRJa. Wandern.

Ich war kein Freund freiwilliger Bewegung, es sei denn, es erfüllte irgendeinen höheren Zweck. Wie etwa, um den Supermarkt zu erreichen, um mir ein leckeres Fertiggericht und eine Flasche Wein zu kaufen. Oder um ein notwendiges, öffentliches Verkehrsmittel zu erreichen. Oder betrunken in der Disko zu tanzen.

Eigentlich fallen mir ziemlich viele Gründe ein, um mich – wenn auch mäßig motiviert – in Bewegung zu versetzen. Aber Wandern? Simples losstapfen, mit dem Ziel, nach einigen anstrengenden Stunden wieder da anzukommen, wo man losgelaufen ist? Wieder am Ausgangspunkt ankommen und sich genügsam auf die Schulter klopfen, weil man wie ein Hamster im Kreis gelaufen ist? Dafür gibt’s Ring- und Spielzeugeisenbahnen.

Irgendwie unproduktiv. Und sinnlos auch. Könnte es ja noch verstehen, wenn ich loslaufe, um am Ende ein saftiges Schnitzel zu bekommen, oder eine Truhe voll Geld. Soll jetzt nicht ganz so selbstsüchtig erscheinen, wie es vermutlich klingt. Ich würde selbstverständlich auch loslatschen, um mir geliebte Personen aus irgendeiner Patsche zu befreien. Aber… Laufen um des Laufens willen? Really? Weiterlesen

Theatralischer Abgang – Definiere „theatralisch“!

full (1)Es ist doch jedes Mal dasselbe. Aufmerksam verfolge ich einen Film oder eine Serie, als plötzlich Mann Frau enttäuscht und Frau daraufhin zügiger Schritte (und natürlich heulend) von Dannen rennt.

Frau / Mädchen war Objekt zwischenmännlicher Wette. Frau / Mädchen wurde belogen, oder mit einer anderen Frau hintergangen. Sobald Frau / Mädchen mit diesen Tatsachen konfrontiert wird, beginnt sie zu schluchzen, wirft dramatisch heulend (wie ein Wolf in etwa) den Kopf in den Nacken, um anschließend wehender Haare theatralisch davonzulaufen.

Irgendwie ja unlogisch.

Würde MIR ein Kerl zum Beispiel erklären, er habe mit seinem dämlichen Kumpel darum gewettet, mich ins Bett zu kriegen und er habe dies, aufgrund eines schwachen Moments meinerseits, tatsächlich in die Tat umgesetzt – also mir würden da andere Sachen einfallen, als wehendes Haares und weinender Augen das Weite zu suchen. Weiterlesen