Theatralischer Abgang – Definiere „theatralisch“!

full (1)Es ist doch jedes Mal dasselbe. Aufmerksam verfolge ich einen Film oder eine Serie, als plötzlich Mann Frau enttäuscht und Frau daraufhin zügiger Schritte (und natürlich heulend) von Dannen rennt.

Frau / Mädchen war Objekt zwischenmännlicher Wette. Frau / Mädchen wurde belogen, oder mit einer anderen Frau hintergangen. Sobald Frau / Mädchen mit diesen Tatsachen konfrontiert wird, beginnt sie zu schluchzen, wirft dramatisch heulend (wie ein Wolf in etwa) den Kopf in den Nacken, um anschließend wehender Haare theatralisch davonzulaufen.

Irgendwie ja unlogisch.

Würde MIR ein Kerl zum Beispiel erklären, er habe mit seinem dämlichen Kumpel darum gewettet, mich ins Bett zu kriegen und er habe dies, aufgrund eines schwachen Moments meinerseits, tatsächlich in die Tat umgesetzt – also mir würden da andere Sachen einfallen, als wehendes Haares und weinender Augen das Weite zu suchen.

Zunächst würde ich in allen mitgeführten Taschen kramen, um etwas zu finden, womit ich werfen könnte.

Schlüssel, Bierflasche, ein Stein oder ein Feuerzeug. Irgendetwas, was bei der Kollision mit dem Kopf beachtliche Schmerzen auslösen könnte.

Bei der Auswahl eines geeigneten Utensils würde ich allerdings Vernunft walten lassen. Den Schlüssel würde ich benötigen, um mir Zutritt zu meinen eigenen vier Wänden zu verschaffen und auch das Bier dürfte ziemlich bald zur Stillung meiner unbändigen Wut von Nöten sein. Steine wiederum trage ich nur selten mit mir herum, außerdem könnte der Typ ihn fangen und zurückwerfen. Wenn ich etwas nicht gut kann, dann zielen. Leider.

Das Feuerzeug würde ich prinzipiell dazu benötigen, um baldigst eine beruhigende Zigarette zu entflammen, da ich aber als passionierter Raucher stets zwei Feuerzeuge (ein funktionierendes und eine Attrappe) mit mir führe, wäre ich zu diesem Opfer durchaus bereit. So würde ich in diesem Fall also ausholen und das Feuerzeug werfen, das Gesicht des Idioten verfehlen und stattdessen den Stoff seiner Jacke streifen.

Daraufhin würde ein ohrenbetäubender Schwall an Beleidigungen über dem Herren niederregnen, der einen Wortschatz offenbart, bei dem alle schwäbischen Muttis in Berlin im Umgebungsradius von mehreren hundert Metern dazu genötig wärent, ihren Neles und Torben-Hendriks verstört die Ohren zuzuhalten.

Dank meiner Lautstärke würde dies aber rein gar nichts nützen und so hätte ich den Kindern ein Vokabular gelehrt, welches ihnen auf dem Schulhof oder im Kindergarten beim Kampf um die schönste Sandkasten-Schippe von Nutzen sein dürfte. Wieder etwas für die Welt getan.

Daraufhin würde ich – sollte die Suche in meinen Taschen erfolgreich verlaufen sein – das Bier zücken und öffnen, es in einem Zuge leeren und dann animalisch drein blickend mit dem Ärmel diverse Bierreste von den Lippen wischen und laut rülpsen. Vollends im Klaren darüber, dass dies für mein soziales Ansehen durchaus schädlich wirken könnte.

Ab diesem Moment bestünden theoretisch drei verschiedene Alternativen für einen Handlunsgfortgang.

  1. Ich habe dem Typen schon jetzt eine satte Portion Angst eingeflößt, sodass ER (und nicht ich) nun die Beine in die Hand nimmt, weinend und wehender (Bart)haare das Weite sucht.
  2. Der mir gegenüber stehende Mann hat genügend Selbstachtung, sich seiner verdienten Strafe zu stellen und lässt eine weitere halbe Stunde, voll von nie gehörten Beschimpfungen über sich ergehen. Nach besagten 30 Minuten geht mir in der Regel sowohl angemessenes Vokabular, als auch Bier und Zigaretten aus, was zur Folge hat, dass ich – eventuell noch immer rülpsend – wütend davon stapfen werde. Ohne wallendes Haar. Ohne Tränen. Und vor allem ohne Grazie.
  3. Ebenso wenig Anmut dürfte es haben, wenn ich die dritte meiner Möglichkeiten zum Vollzug brächte. Denn in diesem Fall würde ich die geleerte Bierflasche in die Lüfte erheben und Anlauf nehmen, den Herren schwingender Acht-Cent-Ware zu jagen. Wer mich kennt weiß allerdings, dass ich ziemlich dämlich aussehe, wenn ich renne. Aber – auch wenn ich in dieser Handlungsalternative TATSÄCHLICH renne: Das Szenario hat weder etwas Dramatisches, noch etwas Theatralisches. Es ist keine Tragödie, sondern eher die Verkörperung eines ziemlich schlechten Horrorfilms. Vielleicht sogar mit Micaela Schäfer in der Hauptrolle.

Nein. Ich verstehe die Tussis in all den Hollywood-Schnulzen nicht. Offenbar bin ich in Sachen der Ehre ein kleines bisschen zu sehr Mann. Finde ich jetzt aber auch nicht so schlimm. Ich mag es, kein östrogen-durchtränkter Waschlappen zu sein, wie viele der Schönheiten im Film.

Man sollte all das eher von der positiven Seite sehen: Mit meinem Verfahren wird ein jeder Mann nur einmal im Leben die Möglichkeit wahrnehmen, mich zu demütigen – und danach nie wieder.

Und sollten auch Männer diese nachdenklichen Zeilen lesen, verzichten sie aus einem natürlichen Selbstschutz-Mechanismus vielleicht komplett und freiwillig darauf.

Mission accomplished.

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2 Antworten zu “Theatralischer Abgang – Definiere „theatralisch“!

  1. Meine vage Erinnerung an alle möglichen Hollywood-Filme, von denen ich mir wünsche, ich hätte sie nie gesehen, souffliert mir, dass nach dem Abgang mit wehenden Haaren die Szene kommt, in der Frau/Mädchen in ihrem Zimmer auf dem Bett liegt und in ihr Kissen heult und dabei unfairerweise so aussieht, als würde das schon wieder irgendwie Spaß machen, so traurig zu sein. Hollywood hatse nich mehr alle. Dann doch lieber Rülpsen.

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