Es gibt einen Gott.

Nach eingängiger Betrachtung habe ich festgestellt, dass die Christen mit ihrem Glauben vermutlich doch Recht haben. So wie es ausschaut, gibt es tatsächlich einen Gott. Bisher hatte ich vehement seine Existenz bestritten. Erschien mir prinzipiell auch logischer.

Ich meine, wie soll man sich das denn auch vorstellen? Soll da wirklich ein bärtiger, steinalter Typ auf einer Wolke sitzen, gelangweilt in der Nase bohren und die Macht haben, knapp sieben Milliarden Menschen rund um die Uhr zu beglücken, oder gar zu manipulieren?

Schwer vorstellbar.

Zumal es sich angeblich um einen Vertreter der Gattung Mann handelt und wie es um deren Multitasking-Fähigkeit beschaffen ist, wissen wir alle.
Aber nach ausführlichen Überlegungen erschien es mir dann gar nicht mehr abwägig.

Im Gegenteil, es war, als hätte ich ein erleuchtendes Erlebnis gehabt, denn plötzlich war ich mir absolut sicher, dass Gott tatsächlich existiert.
Gott macht kein Multitasking, Gott handelt einfach jeden Menschen einzeln ab, schön der Reihe nach. Wenn er sich für jeden einzelnen Menschen etwa zehn Minuten Zeit nimmt, kann man sich schnell ausrechnen, wie lange er bei knapp sieben Milliarden Menschen auf der Welt einplanen müsste.

Zuzüglich des zeitlichen Umfangs von Mittagspausen und Feierabend-Bier.

Und schnell ist es auch nicht weiter verwunderlich, weshalb Gott offensichtlich keine Zeit hat, bei jedem Menschen unter der Sonne mal vorbei geschaut zu haben. Viele Menschen warten ihr ganzes Leben lang auf seinen Besuch, sind aber durch poplige, durchschnittliche 80 Jahre Lebensdauer massiv gehandycapt.

So sterben viele Menschen, während sie auf seine Erscheinung warten, ohne ihn auch nur einmal zu Gesicht bekommen zu haben. Und jene wenigen, die dann doch das Glück hatten, diese kostbaren zehn Minuten seiner Zeit in Anspruch nehmen zu dürfen, sind auch eher desillusioniert, als zufrieden. Kein Wunder.

Eine Frau denkt zumindest nicht, dass man in zehn Minuten irgendetwas (egal was!) zur vollsten Zufriedenheit ausführen könnte. Gemeiner Trugschluss.

Gott ist ein sadistisches, sarkastisches Arschloch. Das macht wohl die Langeweile auf einer dekorativ eingeschränkten, simplen, weißen Wolke. Eigentlich war es ja sein Job, den Menschen Erleuchtung, Glück und Ähnliches zu vermitteln. Wie erklärt es sich dann aber, dass Gott alles – wirklich ALLES – auf der Welt, was dem Menschen Freude bereitet, mit kurz- oder langfristig verheerenden Flüchen belegt?

Hört sich komisch an? Aber denkt mal darüber nach.

Mensch trinkt liebend gerne Kaffee. Zum Frühstück, zum Kuchen am Nachmittag und manchmal auch, um sich abends bei Stange zu halten. Doch als Strafe für leidenschaftlichen Konsum bekommt Mensch nicht selten heftige Magenschmerzen und zudem häufig einen flotten Stuhlgang. Noch schlimmer: sollte man sich nicht innerhalb der eigenen vier Wände befinden und somit genötigt sein, ein öffentliches Etablissement zwecks ausführender Verdauung aufzusuchen. Manchmal kommt man dabei mit vernichtenden Erregern in Kontakt, die Mensch auch in näherer Zukunft dazu zwingen, sich in Nähe eines Klos aufzuhalten und kostspielige Cremes im Anus-Bereich aufzutragen.

Manch ein Mensch raucht gerne eine bis vierzig Zigaretten am Tag. Hier verhält es sich gar tückisch mit der Bestrafung, denn diese setzt oft erst reichlich spät im Lebensverlauf ein. Oft erfolgt sie erst nach Jahren durch einen qualvollen Tod, nach langer, strapaziöser Krebstherapie. Aber auch unmittelbare Folgen des Nikotin-Konsums konnten verzeichnet werden. Er führt zu einem ernstzunehmenden Loch im Portemonnaie, aufgrund dessen man erheblich im Genuss anderer, Lebensqualität erzeugender, Luxusartikel beschränkt wird. Auch das Zigaretten-eigene-Parfum wird nur selten vom Gegenüber geschätzt und so sind Raucher oft darauf angewiesen, sich untereinander zu paaren, was die Auswahl eines Lebenspartners durchaus dezimiert und auch das Erbgut negativ beeinflusst.

Manche Menschen lieben den Konsum alkoholischer Erfrischungsgetränke. Mal ein Bier mit den Kumpels, ein Glas Sekt beim Mädchenfilm oder auch mal ein Schnaps, um die sauftechnische Rangordnung in der Gruppe abzustecken. Alkohol wirkt nicht selten entspannend und kann auch euphorische Gemütslagen bewirken. Man hat Spaß – bestenfalls in der Gruppe – und kann einen geselligen Abend voller niveauloser Witze und herzhafter Lacher durchleben.

Und hierin liegt nicht selten auch die Strafe, denn oft wird man selbst Ziel eines herabwertenden Scherzes – und dies meist völlig zu recht. Die Strafe des Alkohols liegt in der Regel in der, meist eigens herbeigeführten, Demütigung der Konsumenten. Ebenfalls wurde davon berichtet, dass nicht selten am nächsten Tag Defizite hinsichtlich verschiedener Freundschaften, oder Erinnerungssequenzen verzeichnet wurden. Im Einzelfall kann es sich dabei tatsächlich um schwerwiegende Verluste handeln. Die erlittene Demütigung ist oft noch in den Folgetagen zu spüren und so verhält es sich auch mit den körperlichen Folgen des Konsums, denn Alkohol schlägt schon mal auf den Kopf. Schlimmstenfalls auch auf den Magen, was dann wiederum zur Folge hat, dass man die teuer ertrunkene Flüssigkeit (…wieder demütigend…) an irgendeine Hauswand erbricht. Langfristig ist Alkoholkonsum außerdem oft mit schwerwiegenden Krankheiten verbunden, die meist mit einer zerstörten Leber, oder gebrochenen Gliedmaßen – aufgrund der eingeschränkten koordinatorischen Fähigkeiten (… nochmal demütigend…) – einhergehen.

Menschen lieben gutes Essen. Ein jedes Land dieser Welt hat seine eigenen Spezialitäten und – meine Fresse – was gibt es da für leckere Sachen! Doch auch in diesem Glück des Menschen sind einige Tücken versteckt. Denn: Nicht jede Speise ist köstlich! Wohlschmeckend sind in der Regel nur jene Nahrungsmittel, die reich an Fett, Kohlenhydraten, Eiweiß und Zucker sind.

Am Besten alles auf einmal!

Was in einfachen Worten übersetzt so viel heißt wie: Alles was schmeckt, macht fett und krank! Pizza, Fritten, Schnitzel, Döner, Pasta und Schokolade. Alles lecker – alles nicht gut. Wie soll man sich also an einem gepflegten Schnipo, einer Schoko-Sahne-Torte oder einer Lasagne erfreuen, wenn man doch weiß, dass nur ein kulinarischer Ausrutscher zu viel bewirken könnte, dass man bald nicht mehr in die vorhandene Kleidung passt.

Dieser Fakt führt wiederum zu erneutem, massivem finanziellen Schaden. Oftmals muss eine neue, den Körperrundungen entsprechende Garderobe angeschafft werden und auch ein halbwegs leidliches Fitnessstudio ist recht kostspielig. Vor allem unter Anbetracht der Tatsache, dass man es ohnehin kaum besucht und wenn doch, dann nur unter größter Anstrengung und massiver Langeweile bei der öden Ausführung öder Aufgaben.
Nein, meine Freunde.
Sport macht keinen Spaß. Zumindest nicht jener, den man im Fitnessstudio auszuüben gezwungen ist. Die Anzahl derer, die über ein voll funktionsfähiges Gehirn verfügen und diesen Sport tatsächlich mit einer gewissen Leidenschaft ausüben, ist spärlich gesät.

Zumindest habe ich persönlich noch kein menschliches Individuum jemals sagen gehört: „Mensch, was freu ich mich drauf, heut Abend 40 Kilo Gewichte zu stemmen und saftenden Menschen dabei zuzusehen, dasselbe zu tun!“ Oder „Geil, ich kann endlich wieder stinkend schwitzend auf dem Crosstrainer ne halbe Stunde drehen und mir dabei die Lunge auskotzen. Jippi!“ … Vielleicht habe ich auch einfach die falschen Freunde…

Menschen praktizieren gerne Geschlechtsverkehr. Manch einer behauptet sogar, dass es sich dabei um die Königsdisziplin an beglückenden Tätigkeiten handelt. Aber auch hier treten die negativen Folgen offen zu Tage. Abgesehen von verschiedenen, lästigen Krankheiten, die man sich dabei einfangen kann, wird das Ganze möglicherweise gekrönt von einem heranwachsenden Lebewesen.

Mann weiß schon mal, dass sein Geld für die nächsten 25 Jahre NICHT-gewinnbringend und schlecht investiert ist und Frau… ja Frau. Diese ist auf einen Schlag um alle glückbringenden Dinge der Welt kastriert. Kaffee nur ohne Koffein (wo bleibt denn da bitte der Spaß??), keine Zigaretten, kein Alkohol und kein Fast Food… und letztlich – wie verschiedenste Quellen belegen – kein Sex mehr. Mal im Ernst…
Ohne Koffein? Abends müde.
Ohne Zigaretten? Abends angespannt und bösartig.
Ohne Alkohol? Keine Möglichkeit (halbwegs) unbestraft Menschen zu beleidigen.
Ohne ungesundes Essen? Akuter Mangel an Glücksgefühlen.
Wer hat, müde, gestresst, angespannt, un-ausgetobt und knabbernd an einem vitaminreichen Salatblatt noch sonderlich Lust, die Beine des schwabbelnden, schwellenden Körpers zu öffnen?

(Dieser Punkt belegt im Übrigen zusätzlich die These, dass es sich bei Gott um einen Mann handelt. Der weiß schon, warum er seinen Artgenossen so etwas erspart)

Egal wie, es scheint tatsächlich einen Herrgott im Himmel zu geben. Er ist langsam, unkoordiniert und hat echt wenig Zeit. Vor allem nicht für jene, die ihn tatsächlich gebrauchen könnten.

Und ja, er ist ein sadistisches Arschloch, weil er alles, was Mensch glücklich macht, mit finsteren Strafen belegt. Wer soll bei all den Züchtigungen auch noch Spaß haben.
Mir gefiel meine Welt noch besser, als es noch keinen Gott gab.

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3 Antworten zu “Es gibt einen Gott.

  1. Das lässt sich alles nett lesen, aber es ist etwas viel. Vielleicht unterteilst du Themen deines Beitrags in unterschiedliche Posts? Das wäre einfacher und man könnte besser darüber diskutieren.

    • vielen dank für deine anregung! aber bei meinen blogeinträgen handelt es sich um kurzgeschichten… ich wüsste nicht, wie ich diese splitten soll, damit sie noch immer meine geschichten sind. hast du konkrete vorschläge? 🙂

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