Das große Helden-Aussterben – Whitney Houston

Nachdem mit Michael Jackson der männliche Held meiner Jugend und Kindheit gestorben ist, wurde nun verkündet, dass meine Heldin jener Tage ebenfalls das Zeitliche gesegnet hat.
Ich kann mich gut erinnern… es war vor 18 Jahren, Karneval in einer hessischen Grundschule. In jeder Schulklasse sollte eine Gruppe Schüler Beiträge für den Schülerwettbewerb vorbereiten. Der beste Beitrag einer jeden Klasse sollte dann in der Turnhalle vor all den anwesenden, desinteressierten Menschen, die alle nur darauf warteten, dass ihre Kinder sich vor den Eltern der anderen zum Löffel machten, vorgetragen werden.

Ich schnappte mir also meinen dicksten Dude aus dem Sandkasten, der mir den Kevin Costner spielen sollte. Seine Aufgaben waren simpel: In den Kommunionsanzug klettern und stilvolle Power Rangers Posen zum Besten geben.

Keine große Sache für einen Jungen Anfang der Neunziger.

Mit ihm zusammen wollte ich es zu glorreichen Ruhm bei der Mini-Playback-Show der Schule bringen. Mutti schmierte mir ein bisschen Schminke ins Gesicht, machte mir hübsche Löckchen in mein – unpassender Weise – blondes Haar und setzte mir einen schicken Hut auf. Ready for Recall – würde man heute sagen. Eigentlich hätte nichts schief gehen dürfen!

Ich saß vor der Horde an Klassenkameraden-Banausen auf einem hässlichen Holzstuhl und schmachtete, jammerte und heulte tonlos „I will always love you“ in mein unsichtbares Mikrophon, während der beanzugte Power-Ranger zu meiner Rechten mimisch und gestisch ein Maschinengewehr nachahmte. Lauter als die Musik, versteht sich. Und irgendwie schien er den Sinn des Films Bodyguard nicht gecheckt zu haben, weil ich glaube, er hat versucht, mich mit seinem unsichtbaren Gewehr abzuknallen.

Naja, es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Offenbar konnte unser glorreiches Duo weder bei den Schülern, noch bei den anwesenden Lehrern große Emotionen und Gänsehaut erwecken. Gewonnen hatte, wie erwartet, das streberhafte Lehrertöchterchen mit ihren hohlen Girls. Diese Gruppe wurde mit der Performance zu „Go West“ von den Pet Shop Boys zum Wettbewerb geschickt, bei dem sie dämlich auf der Stelle traten und mit dem rechten Arm zielsicher nach Osten zeigten.

Doof nur, dass Osten irgendwo in Richtung des Publikums lag und die Choreografie somit eher an einen Aufmarsch der Hitler-Jugend erinnerte.
Ich hatte mit Frau Houston keinen Erfolg. Und sie selbst leider irgendwann auch nicht mehr. Irgendwann hatte sie wohl vom Erfolgsweg aus die falsche Abfahrt in Richtung Bobby Brown, Drogen und Alkohol gewählt und endete in einem Desaster, wie meine Klasse einst mit den Pet Shop Boys.

Arme Whitney.

Wenigstens wird sich jetzt keiner mehr über sie lustig machen. Alle werden nur noch von ihrem großen Talent, wie auch ihrer sagenhaften Stimme sprechen und massenweise Platten von ihr kaufen. Bald sind ihre Alben auf Platz 1 diverser Charts. War bei Michael Jackson so, war auch bei Amy Winehouse so. Ja. Wenn jemand tot ist, halten die ganzen Schandmäuler endlich ihren Mund von wegen all der Skandale, Peinlichkeiten und dergleichen.

Wie traurig, dass für viele Große des Showbiz nur der Tod zu einem erfolgreichen Comeback verhilft. Undankbar. Und außerdem: wie traurig, dass tatsächlich nur jene abtreten, die tatsächlich was gekonnt haben. Aus der Riege der Bravo-Stars gäbe es einige, die wahrscheinlich keiner vermissen würde …

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