Mein Glück.

Hollywood bescheißt uns. Jetzt mal wirklich. Man denkt immer, es ginge nur um den weißen Gaul auf dem Prinzen… oder umgekehrt. Liebesgefühle, grooooße Romanzen! Aber Leute, jetzt mal ehrlich… Hollywood bescheißt uns nicht nur bei den Vorstellungen über Liebe, sondern auch über wahres Glück. Warte mal… wie sieht das Leben eines glücklichen Filmhelden überhaupt aus….?

Du stehst morgens auf und hast aus unerfindlichem Grund fantastische Laune. Du ziehst deine ziemlich knappe Jeans über deinen Hintern und stellst fest, dass das unglaublich gut aussieht. Du wanderst ins Bad und schaust in den Spiegel. Weiße Zähne, strahlender Blick, wallendes Haar. Nichts Neues also. Alles wie immer. Raus aus dem Haus, Heldentaten vollbringen. Auf Arbeit erst einmal Verbrechen bekämpfen, Menschenleben retten, dem Terrorismus den Kampf ansagen und mit aidskranken afrikanischen Kindern für ein Foto posieren – und ein paar tausend Kröten da lassen. Dann erstmal Mittagspause. Fairtrade-Kaffee trinken, Sushi essen und eine kleine Gesichtsbehandlung genießen. Dann die zweite Hälfte des Tages. Waisenkinder kuscheln, ein nützliches Mittel gegen Krebs erfinden und mit politischen Größen der eigenen Nation Debatten zur Sozialpolitik führen. Puuuh. Das war fast ein bisschen anstrengend. Gott sei Dank ist Feierabend. Erstmal nach Hause ins Luxus Loft und an der freihstehenden Kücheninsel ein veganes Bio-Gericht kochen, während Brad Pitt dir die Hände küsst und dich zu spontanem drei-Stunden-Ausdauersex in dein Himmelbett auffordert. Und er dir sagt, dass du die unglaublichste Frau unter der Sonne bist und du dich kurz fragst, ob er WIRKLICH gut genug für dich ist. Aber dann geht praktischerweise die Sonne über deiner Dachterasse unter und du weißt, dass gerade alles schon wahnsinnig romantisch ist. Dann nochmal raus ins Luxus-Etablissement und in gepflegter Gesellschaft ein Gläschen Champagner schlürfen, während deine Freunde dir sagen, wie schlau, engagiert und – verdammte scheiße – wunderschön du heute wieder bist. Mit einem gefälligen Lächeln nimmst du einen Zug von deiner kubanischen Zigarre und freust dich über die abführenden Effekte. Kurz später kommst du nach Hause, schminkst dich ab und sagst deinem Spigelbild: „Uff. War das ein Tag. Hoffentlich wird es morgen besser.“ … Schlafen. …. Träumen … Aufwachen … Repeat.

Andererseits…

Ich stehe morgens auf und der Wecker ist mein größter Feind. Der Ton nervt mich. Nach dem vierten Mal Klingeln stehe ich dann doch auf und gehe ins eiskalte Bad. Mein Gott, was es mich ankotzt, was mir da im Spiegel entgegen glotzt… Pickel auf der Stirn. Stumpfes, sprödes Haar. Steht auch noch in alle Richtungen ab. Naja. Hilft ja alles nichts. Erst einmal versuchen, das Gestrüpp zu kämmen und die Zähne zu putzen. Raus gehen. Tram verpassen. Laufen und zu wenig Zigaretten dabei haben. War ja klar. Auf zur Arbeit! Und Dinge zu tun, die keine Sau interessieren. Bestenfalls Menschen, die noch gelangweilter und erbärmlicher sind, als man selbst. Aber dann ist ja endlich Mittagspause! Eeeendlich! Ein Brötchen mit Käseaufstrich! Du weißt schon… der besonders cremige Käse. Der mit einem Hauch von Kümmel und Paprika-Glutamat-Dingsi-Irgendwas. Danach ein Kaffee mit Süßstoff und einem von der Sitznachbarin geschnorrtem Milka-Schoko-Keks. Die Stunden ziehen sich mit der Geschwindigkeit einer hoch-trächtigen-Raupe dahin und es ward Feierabend. Besten Gewissens, soeben ein Hundertstel der Miete der viel zu kleinen, zugemüllten Wohnung erarbeitet zu haben mache ich mich auf nach Hause. Dort erwarten mich der Abwasch von Vorgestern und diverse Pizza-Lieferanten-Prospekte. Kurz überlege ich, von letzterem Gebrauch zu machen, als mir einfällt, dass in den kommenden Tagen die Nebenkostenabrechnung ins Haus flattert. Also koche ich mir einen Beutel Billigreis und mache mich vergeblich auf die Suche nach einer Flasche Ketchup, um mein Menü leichter flutschen zu lassen. Danach gönne ich mir erst einmal ein wenig Liebe – mit einer Runde Beine-Enthaaren mittels meines vibrierenden Rasiers und des Körperkontakts beim versehentlichen Stolpern über die angestauten Pfandflaschen. Ein wahrlich guter Tag! Also noch mal rausgehen und feiern! Aufeinandertreffen mit meinen liebenswerten Zeitgenossen. Die eine Hälfte ist bekifft, die andere besoffen. Ich bestelle das billigste Bier und drehe aus dem Resttabak eine Zigarette. Während ich das schöne Leben auf mich wirken lasse, erzählen meine Freunde von ihrer spannenden Zeit beim Amt, über die schrecklichen Menschen und meine gebrochenen Haarspitzen. Man fragt aufmerksam nach meinem erfolglosen Tag und stellt fest, dass ich meine Hosen eine Nummer größer kaufen sollte. Ich überlege kurz, spontan loszuweinen. Dann sagt man mir „Aaaah, chill mal. Trink dir mal ein Bier! Morgen ist auch noch ein Tag!“…. Vielen Dank, dass du mich daran erinnerst.
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