Notiz an mich selbst. #5 – Abseits-Verhältnisse

Es hätte ja eigentlich auch ein schöner Tag werden können. Abgesehen von der Tatsache, dass ich statt dem köstlichen hessischen Apfelwein lieber der abgestandenen Fanta fröhnte. Musste aber sein. Ich war ja als Fahrer des Abends auserkoren worden, als Held und Herr über Schaltknüppel, Kupplung und Lenkrad. Ein jeder, der vom Dorfe stammt, wird nun verständnisvoll nicken, weil ein solcher Zustand für Kinder der Landluft gewissermaßen keine ungewöhnliche Sache darstellte. Zumal es um die öffentlichen Bewegungsmittel im Umkreis nur bescheiden bestellt war. Würde man aber zusätzlich wissen, dass ich mit meiner spritleeren Karre nur einen knappen halben Kilometer gefahren bin, würde keiner so recht verstehen, weshalb ich den Luxus des schlichten Betrinkens gegen die Faulheit eingetauscht habe. Es war auch weniger die Faulheit, als ein anderer Luxus, den ich mir und meiner Besten verschaffen wollte. Und zwar der der lauten Mukke. Es waren Ferien, es war unter der Woche und wir strebten nach einem entspannten Abend auf dem Parkplatz unseres örtlichen Badesees. Weiterlesen

Notiz an mich selbst. #4 – Bewegungs-Verhältnisse

Ja. Wandern. Ich war kein Freund freiwilliger Bewegung, es sei denn, es erfüllte irgendeinen höheren Zweck. Wie etwa, um den Supermarkt zu erreichen, um mir ein leckeres Fertiggericht und eine Flasche Wein zu kaufen. Oder um ein notwendiges, öffentliches Verkehrsmittel zu erreichen. Oder betrunken in der Disko zu tanzen. Eigentlich fallen mir ziemlich viele Gründe ein, um mich – wenn auch mäßig motiviert – in Bewegung zu versetzen. Aber Wandern? Simples losstapfen, mit dem Ziel, nach einigen anstrengenden Stunden wieder da anzukommen, wo ich losgelaufen bin? Wieder am Ausgangspunkt ankommen und sich genügsam auf die Schulter klopfen, weil man wie ein Hamster im Kreis gelaufen ist? Dafür gibt’s Ring- und Spielzeugeisenbahnen.

Irgendwie unproduktiv. Könnte es ja noch verstehen, wenn ich loslaufe, um am Ende ein saftiges Schnitzel zu bekommen, oder eine Truhe voll Geld. Soll jetzt nicht ganz so selbstsüchtig erscheinen, wie es vermutlich klingt. Ich würde selbstverständlich auch loslatschen, um mir geliebte Personen aus irgendeiner Patsche zu befreien. Aber… Laufen um des Laufens willen? Really? Weiterlesen

Theatralischer Abgang – Definiere “theatralisch”!

Es ist doch jedes Mal dasselbe. Aufmerksam verfolge ich einen Film oder eine Serie, als plötzlich Mann Frau enttäuscht und Frau daraufhin zügiger Schritte (und natürlich heulend) von Dannen rennt.

Frau / Mädchen war Objekt zwischenmännlicher Wette. Frau / Mädchen wurde belogen, oder mit einer anderen Frau hintergangen. Sobald Frau / Mädchen mit diesen Tatsachen konfrontiert wird, beginnt sie zu schluchzen, wirft dramatisch heulend (wie ein Wolf in etwa) den Kopf in den Nacken, um anschließend wehender Haare theatralisch davonzulaufen.

Irgendwie ja unlogisch.

Würde MIR ein Kerl zum Beispiel erklären, er habe mit seinem dämlichen Kumpel darum gewettet, mich ins Bett zu kriegen und er habe dies, aufgrund eines schwachen Moments meinerseits, tatsächlich in die Tat umgesetzt – also mir würden da andere Sachen einfallen, als wehendes Haares und weinender Augen das Weite zu suchen. Weiterlesen

Oscar 2012: Gewinner des Jahres im ausführlichen Bericht

00:59 Uhr
In fünf Minuten fängt die olle Annemarie von Pro Sieben an, die schönsten und hässlichsten Fummel der Oscar-Verleihung bzw. des roten Teppichs aufzuzeigen. Sie wird wohl versuchen, sich überall mit ihrem Mikro in die erste Reihe zu drängeln und irgendwelchen Stars irgendwelche Fragen zu stellen, die letztlich belächelt, wenn nicht gar ignoriert werden.
Zu diesem freudigen Anlass dachte ich mir also, ich könnt mich ja auch mal schick machen und mein Ballkleid aus Schulzeiten anziehen. Passt besonders gut zu den weißen Tennissocken und der Putz-Frisur. Mein Stil-Empfinden war schon immer von höchster Sorte.
Oha! Es geht los! Naja. Socken hat die Annemarie nicht an. Aber ihre Frisur sieht nicht wesentlich besser aus, als meine. Ich sehe gerade, die Annemarie wird den Stars keine doofen Fragen stellen. Steven Gätjen macht das, wie auch in den Jahren zuvor. Was wohl das geringere Übel ist…? Weiterlesen

Oscar 2012: Nominierungen und einleitende Gedanken vor dem Event

Heute werden in Los Angeles zum 84. Mal die Oscars verliehen. Wie in jedem Jahr gibt es Favoriten, doch alles in allem scheint es in diesem Jahr ziemlich öde zu werden. Nicht einmal, weil es einen einzelnen, alles andere in den Schatten stellenden Super-Film gäbe, der sowieso nahezu alle Preise gewinnen wird und demzufolge stets die selben Menschen auf der Bühne rumturnen werden. Nein. Es wird lahm, weil die Filme irgendwie alle langweilig erscheinen.
Einst waren große Gefühle, atemberaubende Emotionen, blaue Menschen oder sinkende Schiffe die großen Abräumer der Academy Awards. Heutzutage verzichtet man auf Konversation und versucht sich in Pantomime, oder man verfilmt irgendwelche Kinderbücher. Wir sind ja alle sooo independent und hipp. Wir machen was super-duper Ausgefallenes. Ja. Vielleicht passt man sich auch nur dem Durchschnitts-Niveau der breiten Zuschauermasse an. Keine Ahnung, in welche Richtung. Aber wo, meine lieben Leser, ist der wahre Oscar-Schick hin? Wo sind die großen, spannenden Filme hin, bei denen man nicht nach einer halben Stunde wahlweise einschläft, die spektakuläre Flucht aus dem Kino plant, oder von suizidalen Gedanken übermannt wird? Weiterlesen

Notiz an mich selbst. #3 – Alternativ-Verhältnisse

Wie ein wütendes Pony schnaubte ich aus und nippte an meinem Bier. Eigentlich hatte ich schon völlig vergessen, warum ich mich mit meiner guten Freundin und Mitbewohnerin so schlimm in die Haare bekommen hatte. Aber eines wusste ich: Ich war wirklich stinkig und trank gerade schon das vierte Trotz-Bier und inhalierte, noch wütender, die vierzehnteste Zigarette nach dem Eklat. Aber irgendwie bemerkte ich schnell, dass meine bodenlose Empörung mit blanker Ignoranz seitens meiner Streit-Kontrahentin abgestraft wurde. Ich kramte also im Repertoire meiner Handlungsalternativen und wurde bald, wenn auch nicht vollends überzeugt, fündig. So stapfte ich in Richtung Garderobe, um meine Jacke abzuholen und infolgedessen einen stilvollen polnischen Abgang hinzulegen. Weiterlesen

Wulff: Rücktritt – Doch nicht ohne einen wertvollen Beitrag

Nur selten arbeiten alle Deutschen so leidenschaftlich zusammen – aber wenn es darum geht, eine jede Leiche aus eines Menschen Keller zu räumen sind alle dabei! So ist nun auch das Unvermeidliche eingetreten: Es hat sich ausgewullft! Der Präsident ist zurückgewullft. Man hat ihn rausgewulfft.
Entschuldigt. Ich gebrauche den Terminus natürlich völlig falsch, denn es hat sich mittlerweile tatsächlich eine Bedeutung des Verbs „wulffen“ herauskristallisiert. Um genau zu sein, sogar gleich zwei verschiedene! Weiterlesen